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Regie, Kamera und Schnitt: Yu Kaneko; Darsteller, lokale Koordination, Untertitelübersetzung: Yuma Ito. Wir möchten, dass Sie die Bedeutung der Worte und die Vielfalt der Natur spüren.

Der Film „Mlabri im Wald“ entstand durch die Zusammenarbeit zweier Menschen aus unterschiedlichen Bereichen: eines Filmregisseurs und eines Linguisten. Dieser visuelle anthropologische Dokumentarfilm ist der weltweit erste, der das Nomadenvolk der Mlabri im laotischen Dschungel porträtiert. Wir sprachen mit Regisseur Yu Kaneko über die Höhepunkte des Films, der die Frage nach wahrem Reichtum und den wirklich wichtigen Dingen im Leben der Menschheit untersucht, sowie über seine Gedanken zu diesem Werk.


Regie, Kamera und Schnitt: Yu Kaneko

Regisseur, Kameramann, Cutter Yu Kaneko(Kaneko Yu)

■Profil

Filmemacher und Kritiker. Dozent an der Tama Art University. Zu seinen Kinofilmen zählen „Belgrade 1999“ (2009), „Muneoism“ (2012) und „Imperial“ (2014). Sein jüngstes Werk, „The Man Who Became a Film“ (2018), läuft ab dem 11. März 2022 landesweit in den Kinos. Sein Film „Garden Apartment“ (2018), eine Produktion, wurde vor seinem Kinostart auf dem Internationalen Filmfestival Rotterdam und dem Osaka Asian Film Festival gezeigt. „Murabri of the Forest“ (2019) ist sein fünfter abendfüllender Dokumentarfilm.
Sein Buch „Die Grenzen der Bilder“ wurde mit dem Suntory-Preis für Kunst und Literatur ausgezeichnet. Zu seinen weiteren Werken zählen „Folklore der Grenze“, „Literatur der Anderswelt“, „Dokumentarfilmtechniken“, „Die Theorie des Archipels der Mischehen“ und „Die Kritik des Vergnügens“. Er ist Mitherausgeber von „Apichatpong Weerasethakul“ und „Jean Rouch: Ein Grenzgänger in der visuellen Anthropologie“ und hat unter anderem Tim Ingolds „Making Of“ und Alfonso Lingis’ „Gewalt und Brillanz“ mitübersetzt. Er ist Mitglied der Redaktion der Dokumentarfilmzeitschrift neoneo, Programmdirektor des Tokyo Documentary Film Festival und Forscher am Institut für Kunstanthropologie.

■ „Ich habe mit dem Filmen angefangen, weil ich meinen eigenen Film machen wollte.“

 Da meine Familie Filme liebte, kam ich schon früh mit vielen Filmen in Berührung. Davon beeinflusst, hegte ich schon in jungen Jahren den vagen Gedanken, später einmal im Filmbereich zu arbeiten. Mein Debüt als Drehbuchautor gab ich während meines Studiums. Danach produzierte ich bis zu meinem 30. Lebensjahr Videorecorder für Fernsehsendungen und Werbevideos für verschiedene Unternehmen. Doch mit der Zeit wurde ich unzufriedener und begann, eigene Filme zu drehen. So fing ich an, auf 8-mm-Film zu filmen und bereiste dabei die Welt.

■ Verpassen Sie keine zufälligen Begegnungen

 Als Dokumentarfilmregisseur empfinde ich das Drehen eines Films als Abenteuer. Mein Film „Die Mlabri des Waldes“ handelt von den Mlabri, einer ethnischen Minderheit von nur etwa 400 Menschen, die in den Bergregionen Nordthailands und Westlaos leben. Bis vor Kurzem lebten sie als Nomaden, Jäger und Sammler, wobei Männer wie Frauen oft fast nackt zu sehen waren und sich von kleinen Tieren und Pflanzen ernährten.
Meine Entscheidung, einen Dokumentarfilm über das Volk der Mlabri zu drehen, war jedoch reiner Zufall.

 Ursprünglich reiste ich nach Thailand und Kambodscha, nicht um zu filmen, sondern um ein anthropologisches Buch zu schreiben. Während eines Besuchs bei den Mlabri lernte ich zufällig Yuma Ito kennen, einen Linguisten, der Mlabri spricht. Als er mir erzählte, dass er die drei verschiedenen Mlabri-Gruppen zusammenbringen wollte, schlug ich sofort vor: „Warum drehen wir nicht eine Dokumentation?“ Ich bin immer offen für Neues und lasse mir keine Gelegenheit entgehen (lacht). Ich glaube, ich kann diesen Nervenkitzel so gut nachempfinden, weil ich selbst filme. Das Filmen ist tatsächlich der spannendste Teil. Es ist aufregend, durch Ausprobieren und Fehlerlernen vorzugehen, ohne zu wissen, was am Ende dabei herauskommt. Und die Freude, den fertigen Film zu sehen, ist ein unvergleichliches Erlebnis.

■Zu den Höhepunkten zählen die Unterschiede im Lebensstil der Mlabri, die in Thailand und Laos leben.

 Die Hauptattraktion ist der Kontrast zwischen den Lebensräumen der Mlabri auf thailändischer und laotischer Seite. Die Mlabri auf der thailändischen Seite wurden von zivilisierten Menschen entdeckt und zur Ansiedlung aufgefordert. Durch die Brandrodung der umliegenden Hmong verloren die Mlabri ihren Lebensraum und wurden gezwungen, als Tagelöhner für die Hmong zu arbeiten.

 Laos hingegen ist ein sozialistisches Land, weshalb es keine Bestrebungen gibt, die Mlabri in den Staat zu integrieren. Die natürlichen Wälder umfassen nach wie vor Gebiete, in denen die Mlabri leben, sodass sie ihren traditionellen nomadischen Lebensstil beibehalten können. Wir neigen dazu anzunehmen, dass mit fortschreitender Demokratisierung auch die Kultur gefördert und die Umwelt wertgeschätzt wird. Doch in Thailand, wo die Demokratisierung voranschreitet, verschlechtert sich die Umwelt rapide, und die Mlabri können ihren Lebensstil nicht mehr wie zuvor leben. Im Gegensatz dazu ist die Umwelt im sozialistischen Laos noch geschützt, und die Mlabri können ihren Lebensstil wie bisher fortführen. Ich möchte Sie bitten, zu vergleichen, was Fortschritt und was Wohlstand bedeutet.

■Meine nächste Herausforderung besteht darin, das Wissen über visuelle Anthropologie zu verbreiten.

 Ich möchte Videoprojekte in Afrika realisieren, beispielsweise zum Thema Vodun in Westafrika. Zudem habe ich mein Verständnis der Methoden der visuellen Anthropologie vertieft. Zukünftig möchte ich die visuelle Anthropologie nicht nur Forschern, sondern auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Jedes Jahr veranstalten wir das „Tokyo Documentary Film Festival“. Letztes Jahr haben wir dort einen Wettbewerb in der Kategorie „Anthropologie und Folklore“ ins Leben gerufen. Ich möchte diese Kategorie erweitern, damit auch ein breiteres Publikum anthropologische Werke sehen kann und sich dieses Genre etabliert.

■ Nachricht an die Studierenden

 Genieße deine Zwanziger. Wenn du nur an den Uniabschluss und den Berufseinstieg denkst, bleibt dir keine Zeit, die Basis für deine Ziele in den Dreißigern und Vierzigern zu legen. Egal wie schwer es ist, in deinen Zwanzigern solltest du deinen Träumen treu bleiben. Diese einmalige Zeit zu verpassen, führt zu lebenslangem Bedauern. Am wichtigsten ist der Mut, in die Welt deiner Träume einzutauchen. Dafür ist es wichtig, einen Mentor zu finden, Preise bei Wettbewerben zu gewinnen und dein Selbstvertrauen in jungen Jahren zu stärken.

Online-Studentenzeitung, Hinako Okamura, Studentin im 2. Studienjahr an der Meiji Gakuin Universität


Besetzung, lokale Koordination und Untertitelübersetzung: Yuma Ito

Schauspieler, lokaler Koordinator, Untertitelübersetzer Yuma Ito(Ito Yuma)

■Profil

Geboren 1986 in der Präfektur Shimane, Japan. Linguistin. Von 2018 bis 2020 war sie als Dozentin an der Internationalen Universität Toyama tätig. Seit 2022 forscht sie als Gastwissenschaftlerin an der Tokyo University of Foreign Studies und als Wissenschaftlerin an der Yokohama City University. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in Thailand und Laos, wo sie Sprache und Kultur untersucht und die Beziehung zwischen Körper und Sprache erforscht. Mlabri ist nach ihrer Muttersprache ihre zweitbeste Sprache. Zu ihren Veröffentlichungen zählen „Grammar Sketches of Mlabri“ (Research Institute for Humanity and Nature, Journal of Language Descriptions) und „The heart's below path to happiness: cross-cultural diversity in spatial metaphors of affect“ (Cognitive Linguistics, Mitautorin).

■Warum Linguistik?

 Als ich mich für ein Studium entschied, wollte ich mich nicht auf ein einziges Fachgebiet festlegen und beschloss daher, etwas zu studieren, das mit vielen Bereichen verwandt ist. Ich kam zu dem Schluss, dass es kein Fachgebiet gibt, das nicht mit Sprache zu tun hat, und entschied mich daher für ein Linguistikstudium. Nach meinem Abschluss wurde ich Universitätsprofessor, da ich forschen wollte. Da ich jedoch zu viel zu tun hatte und die Forschung als kontraproduktiv empfand, arbeite ich nun freiberuflich als Linguist.

■ Die Vorteile, Linguist zu sein

 Linguistik ist nicht mein Beruf. Ich habe angefangen, die Mlabri-Sprache zu studieren, einfach weil sie „wunderschön klingt“. Ich mache einfach das, was mir Spaß macht. Auch wenn es schön klingt, das zu sagen, birgt es doch einige Tücken. Ich wollte den Klang der Mlabri-Sprache erforschen, aber da es in Mlabri keine Schrift gibt, habe ich zunächst Vokabeln gesammelt und die Bedeutungen der Wörter und Dialekte studiert.

■ Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit Muraburi

 Das Essen war im Grunde nur mit Salz gewürzt. Der einzige Geschmacksunterschied bestand darin, ob es stark oder schwach gesalzen war. Es wurde irgendwann langweilig (lacht), aber ich wollte das Gleiche essen wie sie und ihnen näherkommen, also aß ich mit ihnen.
 Es brauchte auch Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Ich habe erlebt, wie ich Menschen unter Druck setzte, mit mir zu sprechen, indem ich ihnen Geld anbot, weil ich für meine Recherchen Daten benötigte. Doch sie zögerten. Mir wurde klar, dass es am wichtigsten war, zuerst mit ihnen ins Gespräch zu kommen und Interesse an ihrem Leben zu zeigen. Als ich meine Herangehensweise an die Recherche änderte und sie eher als Nebensache betrachtete, konnte ich fundiertere Forschungsergebnisse erzielen.

■ Höhepunkte von „Mori no Muraburi“

 Der Höhepunkt des Films ist die Szene, in der sprachlich unterschiedliche Gruppen innerhalb desselben Dorfes aufeinandertreffen. Ich wusste nicht, was passieren würde, wenn Gruppen, die sich 100 Jahre lang nicht begegnet waren, endlich aufeinandertreffen würden, aber es hat mich berührt, mit eigenen Augen zu sehen, wie sie sich anhand ihrer Sprache erkannten – etwas, von dem ich bisher nur in Erzählungen gehört hatte. Auch wir verwenden unbewusst Dialekte oder die Sprache bestimmter Kreise, um uns zu identifizieren. Diese Szene mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, aber wir alle tun es im Alltag. Ich denke, es wird für die Zuschauer interessant sein, die Szene zu sehen und ein Gefühl der Vertrautheit damit zu empfinden.

■ Zukünftige Ziele

 Obwohl es sich immer noch um Forschung zur Mlabri-Sprache handelte, verlagerte sich mein Fokus beim Versuch, meinen Lebensunterhalt zu verdienen, zunehmend auf Marketing – was sich verkaufen und wie man Leser gewinnen könnte. Ich haderte damit, ob diese Forschung wirklich das Richtige für mich war, und erkannte, dass es mir nicht Freude bereitete, das zu tun, was ich wollte, sondern vielmehr schmerzte, wenn ich es nicht konnte. Ich möchte jemand sein, der immer das tun kann, was er möchte. Um das zu erreichen, muss ich mich selbst versorgen können, also „autark“ sein, und baue derzeit eine Kuppel, die mein Haus ersetzen soll. Durch die Selbstversorgung kann ich meinen Wünschen und Interessen intensiver nachgehen.

■ Nachricht an die Studierenden

 Versuchen Sie, allein zu sein. Versuchen Sie, mit sich selbst allein zu sein.
 Sobald man Teil der Gesellschaft ist, findet man kaum noch Zeit für sich selbst. Ich lebe zwar relativ frei von Zwängen, aber trotzdem ertappe ich mich oft dabei, wie ich von meinen eigentlichen Zielen und dem, wer ich sein möchte, abweiche. Es ist schwierig, herauszufinden, wer man sein will, wenn man von Menschen umgeben ist. Ich denke, es wäre gut, die Dinge auch mal für sich allein zu durchdenken.

Online-Studentenzeitung, Rikkyo-Universität, 2. Studienjahr, Sugawara Raisuke


Aki Kawanami, Student im 4. Jahr an der Tsuda-Universität / Hinako Okamura, Student im 2. Jahr an der Meiji-Gakuin-Universität / Raisuke Sugawara, Student im 2. Jahr an der Rikkyo-Universität

Der Film „Muraburi des Waldes“

Besetzung, lokale Koordination und Untertitelübersetzung: Yuma Ito
Regie, Kamera und Schnitt: Yu Kaneko
Vertrieb durch: Omuro Genshisha 

Premiere am 19. März (Samstag) im Theater Image Forum und anderen Kinos landesweit.

2019 / 85 Minuten / Mlabri, Thai, Nordthai, Lao, Japanisch / Farbe / Digital
(c)Genjosha

Offizielle Website:muraburi.tumblr.com
Twitter :https://www.twitter.com/muraburi
Facebook:https://www.facebook.com/muraburi

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